
Schmelztigel RuhrpottNirgends anders in Deutschland ist die Anzahl lokaler Rivalen so hoch wie im Ruhrgebiet. Duisburg, Oberhausen, Essen, Bochum mit dem Ortsteil Wattenscheid, Gelsenkirchen und Dortmund streiten um jeden Quadratmeter des kleinen Landesteil in Nordrhein-Westfalen. Über die Jahrzehnte hat sich zwischen diesen Vereinen und deren Anhängern eine gesunde Rivalität entwickelt, die bisweilen allerdings auch über den sportlichen Rahmen hinaus praktiziert wird. Wer jedoch bei Rivalen im Bereich der Ruhr nur an die Begegnungen blau-weiß gegen schwarz-gelb, sprich Schalke gegen Dortmund, denkt irrt sich gewaltig. Zwar gab es in den letzten Jahren sehr selten diese Aufeinandertreffen, aber ein Spiel Wattenscheid gegen Bochum oder Schalke gegen Essen bieten bei weitem genauso viel Zündstoff wenn nicht gar noch mehr.
Fankultur made im PottWährend an vielen anderen Fußballstandorten gerade nach erfolglosen Zeiten lediglich ein sehr harter Kern von treuen Fans dem Verein zur Seite steht, sind die Vereine im Ruhrpott so stark in dem öffentlichen Bild verwurzelt, dass selbst in der Regionalliga zu einem Spiel von Rot-Weiß Essen mehr Zuschauer kommen als bei einem durchschnittlichen Zweitligaspiel. Oder in einem Dortmund Fanshop sind die ersten Trikots der neuen Saison so schnell vergriffen wie noch nicht mal bei dem Rekordmeister im Süden der Republik.Der Fußball im Revier ist für viele Fans mehr als nur eine Freizeitbeschäftigung: jahrelang galt das Gebiet um die Ruhr als Triebmotor der deutschen Wirtschaft mit seinem immensen Kohlevorkommen und den Stahlwerken. Durch die Globalisierung schlossen jedoch viele Betriebe ihre Pforten sodass den Arbeitern als Rückzugsbecken nur noch der Fußball diente.
Gerade den internen Rivalitäten war dies zuträglich, da beispielsweise die Arbeiter am Standort Bochum nicht verstehen konnten, warum die Zeche in Duisburg nicht geschlossen wurde. Ähnliches gilt bei der Rivalität zwischen Manchester und Liverpool, jedoch liegen zwischen diesen beiden konkurrierenden Hafenstädten nicht nur wenige Autominuten.Eine weitere Besonderheit zeichnet den Fan im Ruhrpott aus: für ihn gibt es nur die Farben seines Vereins und somit haben sich alle Spieler die der Mannschaft angehören immer bis zum Letzten zu verausgaben und alles für den Verein zu geben. Eine Niederlage kann der Pottler verkraften, es sei denn es ist gegen den hassgeliebten Nachbarn, aber eine seelenlose Leistung ist in Augen vieler Fans unverzeihlich.
Diese Mentatlität lässt sich wieder zu den Kohlezechen und Stahlwerken zurückführen, da der gemeine Anwohner des Ruhrgebiets eher der handwerkliche Typ Mensch ist und den Einsatz, den er täglich bringen muss bzw. musste auch von anderen Menschen erwartet.Zwar sind gerade die Vereine Schalke und Dortmund durch die konstant guten Leistungen von ihrer Basis abgerückt, was sich nicht nur an der Auswahl von Fanartikeln in einem Dortmund Fanshop ablesen lässt, aber langsam besinnen sich selbst diese beiden Großvereine auf ihre Wurzeln. Wenn auch nur langsam, aber das Feuer und Leidenschaft im Pott werden wohl auch dann noch schlagen, wenn das letzte Grubenfeuer längst erloschen ist.


